Im Lauf der Entwicklung der westlich der Hainburger Pforte gelegenen römischen Stadt Carnuntum entstand auf der Anhöhe des Pfaffenberges (331 m ü. A.) ein religiöser Mittelpunkt, der das gesamte Hochplateau des Berges einnahm und sich über eine Fläche von rund 1,5 Hektar ausdehnte. Die römische Bürgerschaft Carnuntums erbaute auf dem Hochplateau seit der Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. einen Tempelbezirk für Jupiter Optimus Maximus, die höchste göttliche Instanz und Beschützer des Römischen Reiches. Neben Jupiter als dem Schutzgott des Reiches und seiner Grenzen standen seine Begleiterinnen Juno und Minerva.
Ergänzt wurde die Göttergemeinschaft von der Person des jeweils regierenden Kaisers, dem ebenfalls göttliche Verehrung zuteilwurde. So konnten im Laufe der archäologischen Grabungen mehrfach neben Jupitersäulen auch Kaisermonumente identifiziert werden. Kaiser Marc Aurel, der mit Carnuntum durch seinen langen Aufenthalt während der Markomannenkriege (166–180 n. Chr.) verbunden war, wurde auf dem Pfaffenberg durch ein Säulenmonument geehrt. Im Mittelpunkt des Gottesdienstes stand jedoch Jupiter Optimus Maximus, der nach Ausweis der Inschriften auch den Beinamen K(arnuntinus) trug und damit die höchste, allein auf Carnuntum bezogene Schutzgottheit repräsentierte.
Die digitale Transformation des Pfaffenberg-Archivs zu bewerkstelligen und den Zugang sowie die breite wissenschaftliche Nutzung der Pfaffenberg Archiv Inhalte zu ermöglichen. Damit wird die Aneignung von neuem Wissen und Kompetenzen zu den historischen Inhalten der Region Pfaffenberg gefördert.
Neue Konzepte zur Zugänglichkeit und Sichtbarkeit für das Stadtmuseum Wienertor erproben und damit die Zusammenarbeit zwischen unterschiedlichen Disziplinen und Akteur:innen im Umfeld der dokumentierten historischen Inhalte des Pfaffenberges aktivieren.
Die Nachhaltigkeit der bedeutenden historischen und ökologischen Inhalte des Pfaffenberges für die Hainburger Pforte (Region), für Österreich und International hervorheben und stärken.
Das antike Heiligtum des Pfaffenberges war ein zentraler religiöser Mittelpunkt der römischen Bürgergesellschaft Carnuntums. In 16 intensiven Grabungsjahren (1970 – 1985) wurde der Ruinen- und Denkmälerbestand vor der Zerstörung durch den “Hollitzer-Steinbruch“ gerettet und dokumentiert.
Die einzigartige Fundsubstanz wurde für die wissenschaftliche Erforschung und museologische Nutzung der historischen Landschaft von Hainburg an der Donau gesichert und für die Nachnutzung archiviert. Niederösterreich hat den umfangreichen, im Laufe der Evakuierung geretteten Fundbestand für die Sammlungen des Landes käuflich erworben. Eine umfassende wissenschaftliche Interpretation dieses außergewöhnlichen Fundplatzes kann nur mit Hilfe der Befunddokumentation des Pfaffenberg-Archivs erfolgreich vorgenommen werden.
Mit dem Projekt „Pfaffenberg-Archiv digital“ sollen somit sämtliche wissenschaftlich relevanten Dokumentationsunterlagen der Grabungen und Forschungen Pfaffenberg/Carnuntum der digitalen Transformation zugeführt werden. Dies umfasst die Schaffung eines Archivbüros in Hainburg an der Donau, die Digitalisierung des gesamten Archivbestandes, die moderne digitale Verschlagwortung mit standardisierten Metadaten und die zeitgemäße Veröffentlichung als vernetztes Kulturportal der Stadtgemeinde Hainburg an der Donau.
Das Stadtgebiet von Hainburg an der Donau (pol. Bez. Bruck an der Leitha, Land NÖ) wird an seiner Westflanke vom Massiv des ehemals 330 m hohen Pfaffenberges begrenzt. Dieser nord-südlich streichende Höhenrücken der Hainburger Berge hat sich im Lauf des 20. Jahrhunderts für die Stadtgemeinde Hainburg zu einer der schwierigsten kulturellen und ökologischen Problemzonen entwickelt.
Der Pfaffenberg spielte in der Kulturlandschaft der Hainburger Pforte im Kontext der Keltensiedlung auf dem Braunsberg und der römischen Militär- und Zivilstadt Carnuntum eine eminent wichtige kulturgeschichtliche Rolle.
Die charakteristische Bergformation war einst Bestandteil der zwischen Bad Deutsch Altenburg und Petronell-Carnuntum gelegenen antiken Siedlungslandschaft mit ihren militärischen und zivilen Bestandteilen. Die römische Administration und Bürgerschaft Carnuntums widmete die landschaftlich auffallende Anhöhe des Berges als zentralen Standort der staatlichen Jupiterreligion und des Kaiserkults. So wurde in mehreren Etappen für einen Zeitraum von 350 Jahren ein ganzer Tempelbezirk mit zwei Jupitertempeln, einer Kultanlage für die kapitolinische Götterdreiheit Jupiter, Juno und Minerva, mit Jupiter- und Kaisersäulen sowie einem Kulttheater aufgebaut. Am Rande des Kultareals stand das Verwaltungsgebäude der Priestergemeinschaft. Jedes Jahr wurde nach Ausweis der aufgedeckten Inschriften am 11. Juni ein großes Jupiterfest mit Gottesdienst, Festspielen im Theater und Festmahl gefeiert. Für den Erhalt und die Pflege des Tempelbezirks sorgte eine eigens aus dem Kreis der Bürger Carnuntums gewählte Priesterschaft. Diese Funktionäre nannten sich magistri montis, also „Priester vom Berge“. Sie wurden gewählt und hatten für den Betrieb, die Erhaltung und Pflege des Heiligtums zu sorgen.
Der inzwischen zu einem der größten Schotterwerke Österreichs vorgetriebene Steinbruch am Pfaffenberg ist für die Bevölkerung der Region Hainburg / Bad Deutsch Altenburg – und nicht nur für diese – auch zu einem ökologischen Problem mit ernsthaften Auswirkungen auf die Lebensqualität geworden.
Artenreduktion der Tierwelt und Verluste in der Vielfalt der pannonischen Vegetation sind ebenso als Folgen der industriell bedingten Landschaftsveränderung zu betrachten wie die gravierenden Veränderungen des Mikroklimas und die Auswirkungen auf den Siedlungsraum.
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Grabungstagebücher
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Fotografien und Luftbilder
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Pläne und Zeichnungen
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Karteikarten
Bürger:innen, Expert:innen, Forscher:innen, um die Nachhaltigkeit der bedeutenden historischen und ökologischen Inhalte des Pfaffenberges für die Hainburger Pforte (Region), für Österreich und International hervorzuheben und zu stärken.
Die Digitalisierung des Pfaffenberg-Archivs ermöglicht die Etablierung von Kampagnen in sozialen Medien, um eine breite Öffentlichkeit zu erreichen. Diese Maßnahmen können helfen, die Bürger auf digitalem Weg anzusprechen und ihnen punktuell kulturelle und ökologische Informationen ins Bewusstsein zu bringen.
Expert:innen und Forscher:innen werden mit den Digitalisaten, der Datenbank und dem Informationsportal der Zugang und die wissenschaftliche Erschließung erleichtert.
Die Vernetzung mit anderen Kulturportalen und Wissensinfrastrukturen soll die Sichtbarkeit in allen Zielgruppen fördern.
Die Einbettung der Digitalisate in die ARCHE der Österreichischen Akademie der Wissenschaften etabliert einen nachhaltigen Zugang für die Expert:innen und Forscher:innen.
Vernetzung der digitalen Inhalte: die anvisierten standardisierten Schnittstellen und Datenschemen unterstützen die breite Vernetzung der Inhalte des Archivs mit anderen Sammlungen, Portalen und digitalen Ausstellungen. Der Grad der Vernetzung, also die Aufnahme der Metadaten in anderen Portalen, ist ein Indikator für den Erfolg des Pfaffenberg-Archivs.
Die Themengebiete umfassen bspw. Geologie, Bergbau, Umwelt, Paläontologie, Archäologie, Industriegeschichte (z.B. Donauregulierung), pannonische Flora und Fauna oder Erholungsräume.
Nutzungs- und Zugriffszahlen: mit dem digitalen Archiv wird ein Monitoring der Zugriffszahlen und der tatsächlichen Nutzung der Digitalisate eingerichtet. Die Nutzungs- und Zugriffszahlen sind ein weiterer Indikator für die Erfolgsmessung des Pfaffenberg-Archivs.
Kundenkontakt: Ausstellungen, Themenaufsätze und digitale Webauftritte bilden den Kontakt zu den Kunden des Archivs (Bürger:innen, Expert:inne, Forscher:innen, Landes- und Bezirksverwaltung Bruck/Leitha, Denkmal- und Landschaftschutz). Die Protokollierung der Anzahl und Qualität von Kundenkontakten bildet einen weiteren Indikator für die Erfolgsmessung des Pfaffenberg-Archives digital.
Die Digitalisierung der unterschiedlichen Dokumentationsmaterialien des Pfaffenberg-Archivs benötigen unterschiedliche Digitalisierungsmethoden, um ein nachhaltiges Ergebnis zu erzielen. Aus diesem Grund wird für die Digitalisierung eine Sourcing Strategie entsprechend der Materialien eingerichtet, anstatt unterschiedliche Scanner und Personal anzuschaffen. Die Dokumente werden entsprechend ihrer Materialkategorien unterschiedlichen Digitalisierungsverfahren für eine bestmögliche Qualität zugewiesen. Die bedeutensten Anbieter im Raum Wien haben die Kosten und Machbarkeit der Digitalisierung für das Mengengerüst abgeschätzt.
Der standardisierte Arbeitsfluss beginnt bei der Klassifizierung der Dokumente für den Digitalisierungsprozess und leitet dann zur Übernahme der Digitalisate, Qualitätsprüfung, Verschlagwortung, Metadateneingabe und -prüfung bis zur Publikationsfreigabe über. In allen Schritten werden die Bearbeiter vom eingesetzten System durch die eingebettete Workflow-Engine (Goobi Workflow) unterstützt und angeleitet.
Das Pfaffenberg-Archiv stellt einen ersten Schritt bei der Digitalisierung des Museum Wienertor in Hainburg dar. Das Web-Frontend und die Client/Server-Architektur stehen dem gesamten Fundus des Museums und seiner Sammlungen zur Verfügung. Mit der digitalen Veröffentlichung der Sammlungen aus dem Kulturraum Hainburg wird mit Hilfe der Digitalisierung Pfaffenberg-Archiv eine neuartige Vernetzung und Außenwirksamkeit mit den Open Access Prinzipien etabliert.